Sperrgebiete in der DDR / BStU-Atlas

Frank K.

Well-known member
"Sperrgebiete in der DDR"

Ein Atlas der oft geheimen Standorte des Militärs, der Stasi und der sowjetischen Streitkräfte in der ehemaligen DDR.

» bstu.bund.de/Publikationen/sperrgebiete

Diese Publikation ist als (kostenneutrale) PDF downloadbar. Sie ist auch als Broschüre erhältlich, weiterhin gibt es dazu eine CD-ROM.

Allen am Thema Interessierten ist eine Beschäftigung damit empfohlen. Das Dokument ist sehr umfangreich, mehr als 1100 Seiten. Etliches scheint so erstmalig dokumentiert zu sein.

Die PDF-Datei hat eine Größe von ~215 MB. Es ist Geduld erforderlich, der Server war mehrfach überlastet. Letztendlich funktioniert es aber.

Zur CD »
Auf der beiliegenden CD-ROM enthalten sind sämtliche Inhaltsdaten des Atlas der Sperrgebiete sowie das
Verzeichnis der Standorte des MfS
Verzeichnis der Standorte des MdI
Verzeichnis der Standorte der NVA (MfNV, NVA und Grenztruppen der NVA)
Verzeichnis der Standorte der GSSD
Verzeichnis der inoffiziell genutzten Standorte der GSSD
Verzeichnis der Sperrgebiete der GSSD

Grüße Frank
 
Danke für die Infos und den Link. Die Pressemitteilung zur bevorstehenden Publikation kannte ich. Aber wann und wie der Atlas veröffentlich wird, wurde nicht gesagt.
 
@Mandra schrieb mir per PN daß sie wegen möglicher zu vieler Koordinatenangaben im Dokument Bedenken wegen Veröffentlichung des Links hatte.

Ich habe mich auch erst da Eingelesen - das wird nicht das Problem sein. Zumal es ja öffentlich zur Verfügung steht und naturgemäß dann bei allen Interessierten bekannt sein wird. Das ist erfahrungsgemäß nur eine Frage der Zeit.

Ich habe mir die Printversion inkl. der CD-ROM mittlerweile erfolgreich offline bestellt. Das war mit einigem Aufwand für den Mitarbeiter des Buchladens direkt via die BStU telephonisch mit den Angaben im Link in #1 so möglich.

Grüße Frank
 
Am erstaunlichsten an dem Buch ist ja, daß es tatsächlich noch erschienen ist. Mit der Pensionierung von Dagmar Unverhau im Jahr 2009 wurde die BSTU-Arbeitsgruppe aufgelöst, die an diesem Projekt bis dahin schon mind. 7 Jahre gearbeitet hatte, und es war lange Zeit unklar, ob das abschließende Buch überhaupt noch zustande kommt.

Bei genauem Hinsehen kann man im Buch auch alte Bekannte wiedererkennen: z.B. wurde für den MfS-Teil ein Papierausdruck des Datenbankprojekts der VRD verwendet, also die Originalgrundlage der sog. "RUPIC-Liste der übergebenen Objekte".

Die Objekte sind auf Karten im Maßstab 1:500.000 eingezeichnet (sprich nur sehr annäherungsweise), ich denke da braucht man wg. der "Koordinatenangaben" keine Bedenken haben.

Gruß M.
 
Habe mal ganz kurz reigeschaut zum Standort NVA Füwa, war entsetzt, was nach sooo viel Jahren "Forschungsarbeit" rausgekommen ist:hypnotysed:.
 
Habe mal ganz kurz reingeschaut zum Standort NVA Füwa, war entsetzt, was nach sooo viel Jahren "Forschungsarbeit" rausgekommen ist.

Hhhmmmm, es steht auf den ersten Blick da genau drin, was wir kennen und was in den Datenbanken steht, mit Adresse und Bezeichnung :cool: Wieso Forschungsarbeit, die haben da in diesen Teil nach meinem Verständnis (und ihrer eigenen Quellen-Erklärung) dem Staat zur Verfügung stehende Listen mit viel Aufwand allgemein bereitgestellt.

Wenn ich mir noch dazu MdI und MfS anschaue (GSSD habe ich mir erstmal geschenkt) -ich beziehe mich immer noch nur auf Füwa- dann muß ich @Maus seiner Bemerkung mit der originalen VRD-Liste zustimmen. Das ist schon sehr interessant, ich werde es in Ruhe Bewerten und mich dann wieder äußern.

Grüße Frank
 
Habe mal ganz kurz reigeschaut zum Standort NVA Füwa, war entsetzt, was nach sooo viel Jahren "Forschungsarbeit" rausgekommen ist:hypnotysed:.

moses,
Dein Mißverständnis hier scheint mir zu sein, daß das Buch keine militärhistorische "Forschungsarbeit", sondern eine archivwissenschaftliche Publikation ist. Es ist keine Standortdatenbank, wo jemand "erforscht" hat, wo Objekte waren oder gar was deren tatsächlicher Zweck oder Nutzer war - sondern es ist eine kartographische Aufbereitung von Daten, die sie aus diversen Original-DDR-Liegenschaftsverzeichnissen zusammengestellt und cross-referenziert haben. Sprich alles was da zu den einzelnen Objekten zu lesen ist, stand in den ausgewerteten Unterlagen der zust. Organe der DDR so drin. Wie schon erwähnt wurde, sind die ausgewerteten Quellen ausführlich angegeben.
Wenn da jetzt in einer Gegend wo Du Dich als Zeitzeuge auskennst irgendwas fehlt oder nicht stimmt, dann liegt das an der Stelle eher nicht daran, daß die Autoren nicht gut genug "geforscht" haben, sondern daran, daß es bereits in den ausgewerteten Quellen gar nicht, nicht aktuell, falsch oder legendiert drinstand.

Gruß M.
 
Wenn da jetzt in einer Gegend wo Du Dich als Zeitzeuge auskennst irgendwas fehlt oder nicht stimmt, dann liegt das an der Stelle eher nicht daran, daß die Autoren nicht gut genug "geforscht" haben, sondern daran, daß es bereits in den ausgewerteten Quellen gar nicht, nicht aktuell, falsch oder legendiert drinstand.

Zwar habe ich das Werk noch gar nicht - aber ich kann Dir aus dem Stand mehrere Liegenschaften der GSSD nennen, die es nicht mehr in die zentralen Karteien der DDR schafften, egal über den staatlichen Meldeweg oder den MfS-Meldeweg. Das liegt ganz einfach daran, dass die GSSD plante und zwar auch örtliche Behörden informierte und sich abstimmte - aber für den Meldeweg Richtung Berlin kam da die Wende dazwischen.

Danach -also im einigen Deutschland- wurden zwar auch wieder Meldewege installiert und diese Ergebnisse kann man sich dann bei BArch ansehen - aber genau diese Zeit fehlt: Die meisten "Mitarbeiter 1" der Räte der Kreise hatten die Kooperation auf die Ebene "Dienst nach Vorschrift" zurückgefahren, da aus ihrer Sicht der Klassenfeind das Regiment übernommen hatte ... sofern sie nicht sofort zur Wendezeit nach Hause geschickt worden sind.
 
In meiner Gegend wohnen inzwischen viele russische Bürger. Ich denke, die meisten hatte wohl früher eine Uniform an und waren schon mal hier....

Wohnen die in Saarow am See ? Halten die die Therme besetzt - habe ich mal so erlebt.

Hehe, ihr habt einen Server des Bundes kaputtgemacht ... der zuckt ja kaum noch. :-( Und das seit zwei Tagen. Gna.

Na wenigstens was erreicht ;) Der Arbeitsstand dazu ist daß die CD-ROM der Publikation mit dem Online PDF Dokument übereinstimmt. Falls nicht und alles schief geht ist das PDF bei Einigen gesichert - ua bei mir.

Grüße Frank
 
Der Server war so gnädig ...

Ich habe auf die Schnelle meinen Kreis mit mehreren damaligen Nachbarkreisen verglichen. Daher wird aus meiner Vermutung in gewisser Hinsicht Gewissheit: Die Mitarbeiter-1 haben unterschiedlich genau zugearbeitet. Während in zwei Nachbarkreisen wirklich alles (bis auf eine wohl zu gut getarnte Liegenschaft) aufgeführt ist, fehlt in meinem Kreis bei den inoffiziell genutzten Liegenschaften doch einiges: Wasserübungsplatz, Konzentrierungsraum, Entfaltung Richtfunk uswusf. Selbst bei den offiziell genutzten Liegenschaften fehlen in meinem Kreis Einzelobjekte wie Wohnblock - während im Nachbarkreis "jede Hundehütte" mit Vornamen angesprochen wird.

Hierzu ist wichtig zu wissen, dass 1987(?) AG Keßler den Befehl gab, mal genauer nachzusehen ob und wie die Gruppe das Stationierungsabkommen einhält: Die (von der DDR erstellten) Listen und Karten basieren im Grunde auf diesem Befehl.

Die Objekte des MdI lassen mich ratlos zurück: Da fehlt auch was. Beispielsweise lag hier eine Einheit (Kompanie oder Zug?) der kasernierten Trapo. Und auch die Wasserschutzpolizei - da habe ich Fragen.

Das auf den allerersten Blick.

Nachtrag zum 1. Absatz: Ich kann das insoweit beurteilen, da ich die Unterlagen des MA-1 meines Kreises kenne ...
 
Wieviele von denen wären wohl heute froh , wenn sie noch eine guten Draht nach Moskau hätten ?

Ich beziehe mich auf die Funktion "Mitarbeiter 1" in den Räten der Kreise (es gab auch solche in Großbetrieben).

Um den Forderungen nach "Wachsamkeit und Geheimhaltung" Genüge zu tun, wurde eine Schnittstelle zwischen den Funktionen und Mitarbeitern des Rates des Kreises einerseits und "Sicherheitsorganen" wie MdI, MfS, GSSD geschaffen: Nur über den Mitarbeiter-1 sollten solche Kontakte laufen. Diese Funktion bedingte besondere Verschwiegenheit und Treue zur DDR. Wegen der Vielzahl auch bilanziell wichtiger Fragen war der MA-1 auch gleichzeitig gesetztes Mitglied der Staatlichen Plankommission dieser Führungsebene. Eine gewisse Nähe zum MfS darf man allein der Aufgabenstellung wegen annehmen.

Die Aufgabenstellung sowie die notwendige Persönlichkeitsstruktur der MA-1 führte zur sowie nach der Wende dazu, dass diese Personen weniger kooperativ erscheinen: Sie führten ihren primären Auftrag (Verschwiegenheit) passiv weiter aus. Das machte es forscherisch im regionalen Rahmen eher schwierig - so einige kennen das. Mir war es nun vergönnt, einen MA-1 näher kennenzulernen. Schritt umd Schritt wuchs Vertrauen. Ich erfuhr näheres über das Aufgabengebiet, Inhalte, konnte als vernichtet geltende Akten einsehen. Das war nach meinen ersten Veröffentlichungen, ich wurde kontaktiert. Und mir wurde in der Sache ein Versprechen abgenommen: Ich habe sachlich an Hand der Fakten der Nachwelt zu berichten. (Ich glaube, dass das kein Problem darstellt.)

Zu Deiner Frage - Draht nach Moskau:
Ich kann und will nicht ausschließen, dass der eine oder andere MA-1 auch IM des KGB oder der GRU war. Aber die gesuchte Persönlichkeitsstruktur war anders: Die MA-1 fühlten sich der DDR (und nur dieser) verpflichtet. Darüber hinaus sollte eine Überwerbung eines MA-1 (theoretisch!) nicht möglich gewesen sein: Die Zentralkartei der HA XII hätte das verhindert. (Praktisch würde ich vereinzelte Überwerbungen nicht ausschließen wollen ...)

Das ergibt für die 1980er Jahre ein freundliches, gleichzeitig sachlich-kritisch blickendes Auge auf die Truppen der GSSD sowie anderer sowjetischer Organe. Ich will nicht von Ausspähung sprechen, das ginge zu weit - aber eine Aufgabe war durchaus auch, Daten über Vorgänge, Liegenschaften der GSSD zu sammeln. Die Vermutung, dass die MA-1 "von Moskau gesteuert" waren geht fehl.

Das war (ganz kurz und sehr verkürzt) meine Erfahrung mit EINEM MA-1. Vielleicht haben andere User andere oder weitergehende Erfahrungen - das wäre spannend.
 
Ich beziehe mich auf die Funktion "Mitarbeiter 1" in den Räten der Kreise (es gab auch solche in Großbetrieben)

Im Dokument steht im Kapitel 'Quellengrundlage und kartographische Darstellung' ab Seite 16 daß im Wesentlichen für die Listen Material der HA I, II & VIII des MfS verwendet wurde. Für das MfS selbst die Datenbank von VRD MfS. Zusätzlich ein Atlaswerk der Wehrbezirkskommandos.

Bei MdI steht daß die Listen unvollständig sind. Gründe sind erläutert. Die Liste der 'inoffiziellen' Liegenschaften der GSSD ist durch Begehung (als Kontrolle auf Einhaltung der Sperrgebiete) entstanden und hatte mehr informellen Charakter.

Es ist erläutert daß in allen Listen nicht mehr verifizierbare Fehler enthalten sind.

Grüße Frank
 
Es ist erläutert daß in allen Listen nicht mehr verifizierbare Fehler enthalten sind.
Und einige der in den letzten gut 20 Jahren gemachten diversen publizistischen Angaben lasse sich mit dem Werk nun hinsichtlich der Quelle nachvollziehen und bewerten.

Mir ist die unterschiedliche Verfahrensweise nicht klar. Einerseits besteht die Kaufmöglichkeit für Zehn Euro, andererseits kostenloser Download? Das erhaltene Ergebniss ist das gleiche Produkt.
 
Mir ist die unterschiedliche Verfahrensweise nicht klar. Einerseits besteht die Kaufmöglichkeit für Zehn Euro, andererseits kostenloser Download? Das erhaltene Ergebniss ist das gleiche Produkt.

Stefan,
das Werk selber (also die Arbeit der Autoren) ist ja schon bezahlt, die sind beschäftigt bei der BSTU und eine von deren Aufgaben (neben der Bearbeitung von Anträgen) ist per Gesetz die Veröffentlichung von Dingen, die sie in den übernommenen Unterlagen so finden.
Wenn sie nun aber einen Verlag beauftragen, einen ihrer Ergüsse in Buchform zu drucken, kann man von dem schlecht erwarten, daß er die Bücher ebenfalls kostenfrei der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.
Und als Verbraucher/Nutzer hast Du so die Wahl, entweder stellst Dir das Buch für einen Zehner ins Regal, oder wenn Dir der Inhalt / die Daten als solches ausreicht, nimmst Du halt einfach das pdf.

Gruß M.
 
Und es kommt noch dazu » der verstorbene Nutzer @Waldwichtel hatte bis zum Schluß eine Festnetz-Internet-Verbindung mit ~300 kByte pro Sekunde - er lebte in einem Versorgungsloch. Da Verbot sich nahezu jeglicher Download(-Versuch). Etliche Nutzer hier benutzen nur noch I-Net via Smartphone. Da ist natürlich Kauf vernünftiger.

Das Verfahren wird so (offenbar) generell seitens BStU angeboten. ZB ist das Dokument zur HA III sowohl kostenneutral online als auch als Broschüre für 5€ erhältlich.

Grüße Frank
 
Oben